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Anne Albert: „Ich frage mich ständig, wie ich eine Idee visuell auf den Punkt bringen kann.“

6 Min. Lesedauer Veröffentlicht

Anne Albert ist bekannt für ihre markanten Formen, ihre begrenzte Farbpalette und ihre grafische Schlichtheit. Sie schafft Illustrationen, die komplexe Ideen mit Klarheit und Persönlichkeit vermitteln. Ihre Arbeit umfasst redaktionelle, kommerzielle und kulturelle Projekte, in denen sie starke visuelle Konzepte mit unverwechselbarer Stilsicherheit verbindet.

In diesem Interview spricht Anne über die Entwicklung ihres Illustrationsstils, redaktionelle Projekte, ihre künstlerischen Einflüsse und darüber, wie die kombinierten Pixel- und Vektorwerkzeuge von Affinity ihren Workflow optimiert haben.

Anne, wie und wann hast du entdeckt, dass du Illustratorin werden wolltest?

Als Kind und vor allem als Teenager habe ich immer nach Wegen gesucht, mich auszudrücken, sei es durch Schreiben, Zeichnen, Fotografieren oder Singen. Nach der Schule habe ich visuelle Kommunikation studiert und bin schnell bei der Illustration gelandet. Schon während meines Studiums bekam ich meine ersten Aufträge. Ideen in Bilder zu übersetzen und meine Gedanken und Gefühle visuell auszudrücken, hat mich damals fasziniert und tut es bis heute.

Wie bist du zur redaktionellen Arbeit gekommen?

Die redaktionelle Arbeit hat sich ganz natürlich entwickelt. Mein Stil hat mich dorthin geführt. Ich genieße die Herausforderung, innerhalb eines begrenzten Zeitrahmens starke visuelle Ideen zu entwickeln. Außerdem kann ich so die vielfältigen Facetten von Themen erkunden, sodass ich ständig dazulerne. Das hält die Sache spannend.

Gleichzeitig arbeite ich auch sehr gerne in den Bereichen Werbung, Markenbildung und Kultur. Es ist wirklich diese Mischung, die es so lohnenswert macht. Ich liebe es, immer wieder neue Dinge auszuprobieren.

Du hast einen ganz eigenen Stil. Wie hast du das entwickelt, und was beeinflusst dich am meisten?

Das ist ein fortlaufender Prozess. Ich hab nie das Gefühl, dass ich „angekommen“ bin. Mein Stil entwickelt sich ganz natürlich mit mir weiter. Alles ist im Wandel, und das schätze ich sehr. Zweifel können ein starker Antrieb sein, aber es ist wichtig, sie im Zaum zu halten, um Raum zum Experimentieren zu lassen.

Meine Inspirationen kommen von überall her: aus der Kunst, dem Grafikdesign, der Illustration, der Musik, der Literatur, der Natur und dem Alltag. Das spürt man meiner Arbeit wahrscheinlich an. Es ist eine Mischung aus vielen Dingen, die sich nicht so einfach voneinander trennen lassen.

Dein Umgang mit Maßstab und Dimension ist beeindruckend. Wie gehst du dabei vor?

Danke! Das ist wirklich ein fortlaufender Lernprozess. Ich versuche, ein Gefühl von Dynamik zu erzeugen und dabei Proportionen beizubehalten, die sich für mich richtig anfühlen. Es geht eigentlich darum, zu experimentieren und zu verfeinern.

Letztendlich ist Komposition sehr intuitiv. Ich muss spüren, dass die Anordnung der Elemente das unterstützt, was ich ausdrücken möchte. Ich konzentriere mich auf Spannung und Bewegung und frage mich ständig, wie ich eine Idee visuell auf den Punkt bringen und sogar noch verstärken kann.

Unterscheidet sich deine Herangehensweise bei Editorial-Aufträgen und kommerziellen Arbeiten?

Nicht nennenswert. Wenn es um Auftragsarbeiten geht, ist mein Vorgehen ziemlich einheitlich.

Der größere Unterschied besteht zwischen Auftragsarbeiten und persönlichen Projekten. Persönliche Arbeiten sind meist eher introspektiv, da es keine festen Vorgaben oder Fristen gibt. Das geht oft mit mehr Selbstzweifeln einher, aber ich schätze diesen Prozess. Das hilft mir, meine Stimme besser zu verstehen und zu spüren, welche Geschichten ich erzählen möchte.

Es ist mir wichtig, ein Gleichgewicht zwischen Auftragsarbeiten und eigenen Projekten zu wahren, denn so verliere ich meine eigene Bildsprache nicht aus den Augen.

Seit wann nutzt du Affinity, und was hältst du davon?

2019 war ich auf der Suche nach einem effizienteren Workflow, und so bin ich zu Affinity gekommen. Dass ich in einer einzigen Anwendung sowohl Pixel- als auch Vektorwerkzeuge zur Verfügung habe, hat meinen Workflow deutlich optimiert. Besonders schätze ich die intuitive Benutzeroberfläche und die einfache Bedienung. Es ist zu einem unverzichtbaren Bestandteil meines Workflows geworden.

Wenn du für eine beliebige Publikation illustrieren könntest, welche wäre das?

Sicherlich gibt es Traumprojekte, die viele Illustratoren teilen, zum Beispiel für die „New York Times“ zu arbeiten oder die Google-Startseite zu gestalten. Aber ich bleibe lieber offen und erkunde so viele verschiedene Möglichkeiten wie möglich. Allerdings wäre es definitiv ein Traum, ein Plattencover zu illustrieren.

Wer inspiriert dich in der kreativen Welt?

Es gibt viele Kreative, die mich inspirieren. Ich würde sie nicht unbedingt als „Helden“ bezeichnen, aber sie haben mich stark beeinflusst. Besonders inspiriert haben mich amerikanische Grafikdesigner wie Saul Bass, Bauhaus-Künstler wie Gunda Stölzl und Alma Siedhoff-Buscher und Maler wie Picasso und Matisse. Ich bewundere auch Illustratoren aus der ehemaligen DDR, darunter Manfred Bofinger und Hans Ticha.

Mich faszinieren sowohl Ernst Haeckels detailreiche Zeichnungen als auch zeitgenössische Künstler wie Olimpia Zagnoli, Zack Rosebrugh, Geoff McFetridge und Hvass & Hannibal, deren Werke Schlichtheit mit starker visueller Wirkung verbinden.

Gibt es Traumprojekte, an denen du in Zukunft gerne arbeiten würdest?

Letztes Jahr habe ich mein erstes Wandbild gestaltet, und ich würde gerne weiter an größeren Projekten arbeiten. So sehr ich die digitale Arbeit auch genieße, muss ich doch auch mal vom Bildschirm wegkommen und etwas mit meinen Händen schaffen. Ich interessiere mich sehr für interdisziplinäre Projekte – Ausstellungen, Produkte, Markenbildung, Wandmalereien. Es gibt viele Richtungen, die ich gerne erkunden würde.

Zum Abschluss: Welchen Rat würdest du angehenden freiberuflichen Illustratoren geben?

Konzentriere dich auf das, was dich einzigartig macht, anstatt zu viel Zeit damit zu verbringen, dich mit anderen zu vergleichen. Es ist nicht immer einfach, aber es ist unerlässlich, um eine eigene Bildsprache zu entwickeln.

Bleib kreativ, bleib konsequent und glaub an dich. Und bleib dabei offen für Selbstreflexion und konstruktives Feedback.



Um mehr von Annes Arbeiten zu sehen, besuche ihre Website, ihren Shop oder Instagram.

Über die Autoren

Matt ist nicht nur Creative Producer bei Affinity, sondern verantwortet als A/V Lead auch alle Audio- und Videoproduktionen. Seit Anfang der 2000er Jahre spielt er Schlagzeug und ist oft tief in Ableton Live versunken, wo er unermüdlich an einem nie endenden Strom halbfertiger Demos bastelt. In seiner Freizeit arbeitet Matt als freiberuflicher Illustrator. Einen Einblick in seine Arbeit gibt er auf Instagram: @mattsearston.

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