Der Guide zum Color Grading, der deinen Fotos einen eigenen Charakter verpasst
Jeder kann lernen, auf den Auslöser zu drücken. Aber einem Foto das gewisse Etwas (seine „Seele“) einzuhauchen, genau damit hebst du dich von der Masse ab.
Mit Color Grading und Farbkorrektur machst du aus 08/15-Aufnahmen großes Kino, zum Beispiel wohlig warm oder bewusst unterkühlt. In diesem Guide zeigen wir dir, wie du mit Affinitys Studio „Pixel“ Fotoergebnisse erzielst, die absolut professionell sind.
Color Grading vs. Farbkorrektur: Klingen gleich, sind es aber nicht!
Die meisten Leute verwenden diese Begriffe synonym. Das ist ein Fehler, denn wer die beiden vermischt, ruiniert sich den kompletten Look.
Die Farbkorrektur behebt technische Probleme. Falscher Weißabgleich, Überbelichtung und so weiter. Das alles wird hier erledigt.
Das Color Grading kommt danach. Sobald das Bild technisch sauber steht, kommt das Grading ins Spiel. Dabei geht’s um das Gefühl: Du verpasst deiner Aufnahme Atmosphäre, eine eigene Identität und den passenden Vibe. Erst wird korrigiert, dann wird gegradet Diese Reihenfolge steht, ohne Wenn und Aber.
Warum der Weißabgleich über Top oder Flop deiner Bildbearbeitung entscheidet
Jeder großartige Workflow in der Bildbearbeitung beginnt mit dem Weißabgleich. Wenn du den verpatzt, kann auch die raffinierteste Farbbearbeitung das Bild nicht mehr wirklich retten. Das Pixel-Studio in Affinity bietet dir drei Wege, um den Weißabgleich zu stemmen:
Im Panel „Anpassung – Weißabgleich“ hast du zwei Optionen:
1. – Pipette: Klicke auf eine beliebige Stelle im Rahmen, die neutralgrau sein soll. Affinity analysiert diesen Pixel und berechnet den korrekten Weißabgleich ganz automatisch.
2. – Weißabgleich- und Farbtönungs-Schieber: Zur manuellen Kontrolle über Farben und Nuancen: Damit neutralisierst du unerwünschte Farbstiche im Handumdrehen und gibst deinem Bild den gewünschten Vibe.
Oder über das Affinity Studio „Entwickeln“:
3. – Entwickeln: Pixel › Filter › Entwickeln – ein spezieller Arbeitsbereich für die Bearbeitung von RAW-Fotos. Jede Änderung hier ist nicht destruktiv, sodass du jederzeit alles zurückdrehen kannst.
Pro-Tipp: Fotografiere im RAW-Format, damit du den Weißabgleich in der Nachbearbeitung ganz flexibel anpassen kannst. Du fotografierst immer noch in JPEG? Zeit, das Ganze noch mal zu überdenken.
Anpassung – Belichtung: Erzähle die Geschichte mit Licht
Bei der Belichtungsanpassung geht es nicht nur um die Helligkeit: Sie bestimmt auch die emotionale Stimmung eines Bildes. Die Gradationskurven-Anpassung (Pixel › Neue Anpassungsebene › Gradationskurven) ist das leistungsstärkste Werkzeug dafür im Studio „Pixel“ von Affinity.
3 goldene Regeln für das Bearbeiten von Kurven
1. Regel: Forme die Kurve zu einem S. Ziehe die Schatten einen Tick nach unten und die Lichter sanft nach oben. Das ist der klassische Hollywood-Kontrast, ganz einfach.
2. Regel: Bearbeite den roten, den grünen und den blauen Kanal getrennt voneinander. Heb die Kurve im Blau-Kanal in den Tiefen leicht an. Es entsteht dann dieser legendäre, leicht verblasste Kino-Look.
3. Regel: Weniger ist mehr. Widerstehe der Versuchung, die Regler bis zum Anschlag zu schieben. Am besten ist es meist, wenn man die Bearbeitung nicht auf den ersten Blick erkennt.
Kontrast: So verleihst du deinen Fotos mehr Tiefe und Dimension
Flache Bilder fesseln einfach nicht. Da kommt der Kontrast ins Spiel.
Mit der Anpassung Helligkeit / Kontrast kannst du den Gesamtkontrast schnell anpassen. Aber nicht übertreiben, denn sonst saufen die Schatten ab und die Lichter brennen aus. Pixel › Neue Anpassungsebenen › Helligkeit / Kontrast
Selektive Farbkorrektur mit dem HSL-Panel
Die HSL-Anpassung (Farbton/Sättigung/Luminanz) ist das Tool, das die meisten Bildbearbeiter links liegen lassen. Das ist ein Fehler, denn genau dort liegt die wahre Magie. Du kannst damit eine einzige Farbe isoliert ändern, während der Rest des Bildes völlig unberührt bleibt.
Willst du zum Beispiel einen dramatischeren Himmel? Dreh die Sättigung im Blaukanal auf. Rötungen im Gesicht reduzieren, ohne den Rest zu verändern? Senk einfach die Luminanz im Rotkanal ein wenig ab. Solche präzisen Farbkorrekturen sind der sauberste Weg, dein Bild aufzupolieren, während der Look absolut echt bleibt.
Pro-Tipp: Die HSL-Anpassung verfügt über ein separates Farbrad für jeden Kanal. Wähle einen Kanal aus und zieh an den Knotenpunkten, um exakt festzulegen, welche Töne du ändern willst. Diese präzise Kontrolle macht einen sichtbaren Unterschied!
LUTs: Professionelles Colour Grading mit nur einem Klick
Dank Look-Up Tables (LUTs) knallen deine Farben in Fotos und Videos ab sofort doppelt! Was früher nur die großen Filmstudios konnten, hast du jetzt direkt in deiner Fotobearbeitung.
Wie? Geh einfach auf das Panel „LUT“ und importiere deine Datei. Unterstützte Formate: .cube, .3dl, .csp und .look.
Bau dir dein eigenes LUT-Set für kommerzielle Aufträge, Hochzeiten, Porträts, Dokumentarfotografie oder Social-Media-Inhalte! So beschleunigst du nicht nur deinen Editing-Workflow erheblich, sondern sorgst auch für einen perfekten, einheitlichen Look über alle Bilder hinweg.
Masken für die lokale Farb- und Lichtsteuerung
Mit pauschalen Anpassungen geht viel, aber nur bis zu einem gewissen Punkt. Wenn du aber einzelne Teile des Bildes bearbeiten willst (oder musst), ist Maskieren dein Ass im Ärmel. In der professionellen Bildbearbeitung ist das der Weg, um Licht und Farbe punktgenau zu steuern.
Mit einer Ebenenmaske (Pixel › Neue Maskierungsebene › Maskenebene) kannst du zum Beispiel die Haut in einem Porträt wärmer gestalten, ohne den Kontrast im Hintergrund zu beeinträchtigen und ohne das Motiv zu verändern. Das klingt im ersten Moment vielleicht kompliziert, aber sobald du es einmal ausprobiert hast, gibt es kein Zurück mehr.
Beim Bearbeiten von Landschaftsfotos ist die Helligkeitsbereichsmaske (Pixel › Neue Maskierungsebene › Live-Maskierungsebene › Helligkeitsbereich) ein echter Gamechanger. So kannst du zum Beispiel einen strahlenden Himmel und einen dunklen Vordergrund völlig unabhängig voneinander bearbeiten. Das Beste daran: Alles ist komplett nicht destruktiv und dein ursprüngliches Foto bleibt erhalten.
Workflow für die Farbkorrektur: So klappt’s!
Technik zählt, aber sie ist nicht alles. Wenn du die Reihenfolge verpatzt, riskierst du am Ende trotzdem einen uneinheitlichen Look. Das wissen auch die Pros und gehen daher so vor:
1. Belichtung & Licht: Stelle zuerst das Histogramm ein.
2. Weißabgleich: Farbtemperatur und Farbtönung anpassen.
3. Kontrast: Stellst du über die Gradationskurven ein.
4. Farbkorrektur: Nutze HSL, um Probleme mit den Farbkanälen zu beheben.
5. Colour Grading: Schaffe Atmosphäre durch kreative Farbwahlen.
6. Lokale Masken: Feineinstellung bestimmter Bereiche.
7. Der letzte Schliff: Rauschen reduzieren, schärfen, Vignettierung.
Pro-Tipp: Speichere diesen Arbeitsablauf als Makro oder Voreinstellung. Beim Bearbeiten des nächsten Shootings dieser Art halbierst du so die Bearbeitungszeit.
Finde deinen eigenen Stil, kopiere nicht, lass dich inspirieren
Techniken lernt man. Stil braucht Zeit. Bei jeder Colour-Grading-Sitzung lernst du ein bisschen mehr, auch über dich selbst: welche Farben dich begeistern, welche Stimmung sich wirklich wie deine eigene anfühlt.
Am Anfang holst du dir Inspiration bei deinen Vorbildern, also den Fotografen, die du bewunderst. Schnapp dir dazu die Farbpipette im Affinity-Studio „Pixel“ und nimm ihre Tonwerte genau unter die Lupe. Aber dann kommt der zentrale Punkt: Pack deine eigene Interpretation oben drauf! So wird visuelles Storytelling zu etwas Besonderem, etwas Persönlichem.
Professionelle Fotobearbeitung läuft letztlich darauf hinaus: Jedes Pixel ist eine Entscheidung. Die Fotobearbeitungssoftware ist nur ein Werkzeug. Wichtig ist die Person, die die Entscheidungen trifft und die Regler bewegt: du!