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Headshots besser fotografieren: Expertentipps von Ivan Weiss

8 Min. Lesedauer Veröffentlicht
Studio-Headshot eines jungen Mannes in grünem Hoodie, mit natürlichem Licht und weichem grünem Hintergrund.

Möchtest du professionelle Fotos für Schauspielprofile, LinkedIn oder Unternehmenswebsites erstellen? In diesem Leitfaden teilt der Londoner Porträtfotograf Ivan Weiss seine Expertentipps, von Objektivwahl und Lichtsetzung über den Aufbau einer guten Beziehung zu Kunden bis hin zu Bildern mit Persönlichkeit und Tiefe.

Headshot vs. Porträt: Wo liegt der Unterschied?

Wenn diese Frage aufkommt, sagen viele: „Oh, das ist ein Porträt, kein Headshot“, und konzentrieren sich darauf, wie das Bild aussieht. Der entscheidende Unterschied liegt aber in der Verwendung. Alle Headshots sind Porträts, aber nicht alle Porträts sind Headshots. Es sei denn, du nutzt sie genauso.

Ein Headshot ist etwas, das Menschen nutzen, um sich professionell zu präsentieren. Früher waren Headshots vor allem in den darstellenden Künsten verbreitet, heute braucht fast jeder einen – ob für eine Website, ein LinkedIn-Profil oder den Lebenslauf. Dazu zählen Schauspieler, Musiker, Unternehmer – kurz: alle, die professionell auftreten.

Ein guter Headshot sollte beim Betrachter das richtige Gefühl auslösen. Der Headshot einer medizinischen Fachperson sollte zum Beispiel Vertrauen und Sicherheit vermitteln. Headshots von Schauspielern oder Musikern dürfen dagegen Neugier oder Begeisterung wecken.

So bereitest du dich auf ein Headshot-Shooting vor

Um einen wirklich wirkungsvollen Headshot zu erstellen, musst du zuerst seinen Zweck verstehen und wissen, wen du fotografierst. Was machen sie beruflich? Warum brauchen sie einen Headshot? Und welche Botschaft oder welchen Eindruck möchten sie vermitteln?

Die meisten Headshots, die ich fotografiere, entstehen für Menschen aus den darstellenden Künsten: Schauspieler, Tänzer und Musiker. Ich arbeite aber auch mit Autoren, Unternehmern und anderen Professionals, deren Arbeit auf Vertrauen, Präsenz und Individualität basiert, nicht nur auf Performance. In allen Fällen geht es darum, Bilder zu schaffen, die einem klaren Zweck dienen und sich für die Person, die sie nutzt, authentisch anfühlen.

Wenn jemand einen Termin bei mir bucht, recherchiere ich im Vorfeld ein wenig. Manchmal schaue ich online nach, um mir einen groben Eindruck davon zu verschaffen, wer sie sind und was sie tun, ohne dabei zu sehr ins Detail zu gehen, da sie ihr Image verändern oder komplett neu ausrichten könnten. Sobald sie im Studio angekommen sind, besprechen wir all das, einschließlich ihrer Ziele und Erwartungen für das Shooting. Dieses frühe Gespräch ist entscheidend dafür, wie sich das Shooting entwickelt.

Arbeiten mit Kunden während des Shootings

Als Fotograf ist es wichtig, den Kunden wirklich zuzuhören und auch zwischen den Zeilen zu lesen. Oft kommen Menschen mit einer klaren Vorstellung davon, was sie wollen. Im Laufe des Prozesses entdecken sie dann etwas ganz anderes, das sich authentischer anfühlt oder besser zu dem passt, was der Headshot vermitteln soll.

Ein zentraler Bestandteil meines Workflows ist das Fotografieren mit einer an einen Computer gekoppelten Kamera. So können die Kunden die Bilder in Echtzeit sehen, und wir treffen gemeinsam Entscheidungen, während sich das Shooting entwickelt. Das ist außerdem eine gute Möglichkeit, Vertrauen aufzubauen. Sobald jemand sieht, dass er auf dem Bildschirm gut aussieht, entspannt er sich ein wenig. Kunden über diesen ersten Moment der Selbstzweifel hinwegzuhelfen, gehört zu den lohnendsten Aspekten meiner Arbeit.

Es ist zwar meine Aufgabe, dem Kunden das zu liefern, was er sich wünscht, aber genauso wichtig ist es, ihn durch den Prozess zu der Aufnahme zu führen, die wirklich funktioniert. Hier machen Zusammenarbeit, Intuition und ein flexibler Ansatz den entscheidenden Unterschied.

Abstand und Objektivwahl in der Headshot-Fotografie

Der Abstand zum Motiv ist in der Headshot-Fotografie extrem wichtig und bildet oft den Ausgangspunkt für Entscheidungen zu Komposition und Objektivwahl.

Der Abstand zwischen dir und dem Motiv wirkt sich direkt darauf aus, wie das fertige Bild auf den Betrachter wirkt. Wenn du weit vom Motiv entfernt stehst, wirkt es distanziert, selbst wenn du heranzoomst. Eine Person, die aus größerer Distanz fotografiert wird, kann zurückhaltender oder distanzierter wirken. Das kann in bestimmten Kontexten gut funktionieren – etwa, wenn du jemanden als Führungspersönlichkeit oder als Vorbild darstellen möchtest. Soll das Bild dagegen zugänglicher wirken, musst du näher an dein Motiv heran. In der Praxis heißt das meist: eine kürzere Brennweite. Eine gute Faustregel ist ein normaler Gesprächsabstand, etwa so, wie du stehen würdest, wenn du dich mit jemandem im Laden unterhältst.

Statt mit der Brennweite zu beginnen, denke ich zuerst über Abstand und psychologische Nähe nach – also darüber, wie nah sich das Motiv für den Betrachter anfühlt. Unterschiedliche Objektive helfen mir dabei, diese Beziehung zu halten und gleichzeitig den Bildausschnitt zu gestalten.

Diese Brennweiten nutze ich am häufigsten, je nach Komposition:

  • 85 mm für enge Kopf-Schulter-Porträts
  • 50 mm, wenn mehr vom Oberkörper oder der Taille zu sehen sein soll
  • 35 mm, wenn ich mehr von der Umgebung zeigen oder bewusst mit Perspektive arbeiten möchte

Beleuchtungstipps in der Headshot-Fotografie

Die Wahl der Beleuchtung sollte sich immer daran orientieren, wie das Bild wirken soll. In manchen Fällen bedeutet das Offenheit und Sicherheit, in anderen Autorität, Tiefe oder auch Mehrdeutigkeit. Starke Schatten können visuell sehr wirkungsvoll sein, sie können aber auch Vertrauen untergraben, wenn sie der Botschaft widersprechen, die das Bild vermitteln soll.

Eine flache Beleuchtung kann offen und ehrlich wirken, ihr fehlt aber oft die visuelle Spannung. Wenn ich jemanden als nahbar zeigen möchte, arbeite ich mit Schatten entlang der Z-Achse. Das heißt, die Vorderseite des Gesichts – also der Teil, der der Kamera am nächsten ist – ist heller ausgeleuchtet. So entsteht Kontrast, und das Bild wirkt spannender, ohne dass die ausdrucksstärksten Bereiche des Gesichts wie Augen, Augenbrauen, Mund und Nase im Schatten liegen. Das richtige Gleichgewicht zu finden, ist entscheidend.

In anderen Kontexten kann Schatten ein Gefühl von Geheimnis oder Spannung erzeugen und den Betrachter dazu einladen, eigene Bedeutungen in das Bild hineinzulesen und sich aktiver damit auseinanderzusetzen.

Du möchtest, dass das Publikum das Gefühl hat, hier die richtige Person für den Job zu sehen – oder bei Darstellern jemanden mit Kante, Drama oder Geheimnis. Bei Zahnärzten ist weniger Drama meist die bessere Wahl!

Persönlichkeit in Headshots einfangen

Es gibt zwar kein festes Rezept, aber die meisten Kunden müssen eine gewisse Verbindung zum Fotografen spüren – vor allem, wenn sie es nicht gewohnt sind, fotografiert zu werden. In der Headshot-Fotografie geht es darum, die Kamera zu vergessen, selbst wenn es nur für einen Sekundenbruchteil ist. Dieser kurze Moment von Authentizität kann den entscheidenden Unterschied machen. Sprich mit deinem Gegenüber. Geh auf sie ein. Gib Hinweise, wenn sie gebraucht werden. Wenn zwischen dir und der Person vor der Kamera keine echte Verbindung entsteht, wird das Bild diese Verbindung wahrscheinlich auch nicht vermitteln.

Bei Headshots sollte der Fokus weniger darauf liegen, wie jemand aussieht, sondern darauf, wie er sich anfühlt. Diese emotionale Präsenz verleiht dem Bild Tiefe und Persönlichkeit.

So retuschierst du Headshots für unterschiedliche Kunden

Ich erledige meine gesamte Retusche in Affinity und im Kern geht es darum, störende Details zu entfernen, statt jemanden zu etwas zu machen, das er nicht ist. Farbe, Kontrast und Ton sind Werkzeuge, mit denen sich beeinflussen lässt, wie ein Bild wirkt – nicht nur, wie es aussieht.

Bearbeite ich eine Aufnahme für die Website eines Finanzberaters, möchte ich ihn möglichst natürlich zeigen. Dafür nutze ich die Farbwerkzeuge von Affinity, damit die Haut realistisch wirkt. Erstelle ich dagegen ein dramatischeres Bild für einen Musiker, nutze ich dieselben Werkzeuge, um eine andere Stimmung zu schaffen. In diesem Fall geht es mir weniger um Genauigkeit als darum, wie das Bild wirkt.

Genauigkeit ist wichtig, aber nicht das Ziel. Ziel ist ein stimmiges Gesamtbild – jede Entscheidung sollte den Zweck des Bildes unterstützen und dazu beitragen, wie die Person wahrgenommen wird.

Der Postproduktions-Workflow, den ich in meinem ausführlichen Tutorial vorstelle, sowie die von mir bereitgestellten LUT-Pakete wurden vollständig in Affinity entwickelt – mit denselben Werkzeugen und Entscheidungsprozessen, die ich auch in meiner täglichen Arbeit nutze.

Wenn du tiefer in die Headshot-Fotografie einsteigen möchtest, empfehle ich dir headshotcrew.com. Dort teile ich regelmäßig tiefgehende Einblicke und Wissen rund um das Handwerk.



Über die Autoren

Ivans fotografische Herangehensweise ist geprägt von über zehn Jahren in Florenz, wo seine Liebe zur klassischen Komposition und Porträtfotografie entstanden ist. Seit 2011 hat er sich einen Ruf für Bilder erarbeitet, die technische Präzision mit Emotion verbinden, ob er nun Künstler, Professionals oder Unternehmer fotografiert.

Über seine Website teilt Ivan Weiss außerdem ausführliche Lernressourcen, darunter ein umfassendes Video-Tutorial und Farbwerkzeuge, die auf einem Affinity-Workflow aufbauen.

Mehr von seiner Arbeit und seinen Lernressourcen findest du auf ivanweiss.london, Instagram oder headshotcrew.com.

Über die Autoren

Ich bin Fotograf, ein leidenschaftlicher, hoch motivierter Content-Creator und Mentor, der das Medium Fotografie nutzt, um zu dokumentieren, zu lehren und andere zu inspirieren. Ich liebe die Möglichkeiten, die uns moderne Technologie und Bildbearbeitung bieten, um beeindruckende Ergebnisse zu erschaffen.

Fotograf und Produktexperte

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