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Groß auftrumpfen: Arbeiten mit Großformatdruck

5 Min. Lesedauer Veröffentlicht

Es gibt eine ganz besondere Art von Respekt, die man für den Großformatdruck entwickelt, wenn einen zum ersten Mal ein Kunde anruft und sagt, dass sein Banner aus drei Metern Entfernung verpixelt aussieht. Lektion gelernt, nie wiederholt. Das Arbeiten im großen Maßstab erfordert eine völlig andere Denkweise als Bildschirm- oder Kleinformatarbeiten. Nicht weil sich die Grundlagen ändern, sondern weil der Spielraum für Fehler schrumpft, während die Einsätze deutlich höher werden. Poster, Banner, Messestände: Diese Teile leben in der realen Welt, umgeben von Trubel, und sie konkurrieren um die Aufmerksamkeit von Menschen in Bewegung. Wenn du es richtig machst, bringt deine Arbeit die Leute zum Stehen. Wenn du es falsch machst, ist es eine sehr teure Erinnerung daran, deine Auflösungseinstellungen zu überprüfen.

Diese Anleitung richtet sich an erfahrene Designer, die wissen, wie man druckfertige Dateien erstellt. Wir kümmern uns um Punkte, an denen selbst erfahrene Profis ins Straucheln geraten.

Auflösung vs. Betrachtungsabstand: Schluss mit den standardmäßigen 300 DPI

Das ist der Punkt, an dem die meisten Leute Fehler machen. Die Regel, immer 300 DPI zu nutzen, gilt für den Offsetdruck und eine Armlänge Entfernung. Beim Großformatdruck ist das in manchen Fällen völlig übertrieben und in anderen schlicht unnötig. Für ein Messebanner mit einem Betrachtungsabstand von zwei bis drei Metern reichen 100 bis 150 DPI in der finalen Druckgröße völlig aus. Bei einer Schaufenstergrafik für vorbeigehende Fußgänger genügen oft sogar 72 bis 100 DPI.

Das Prinzip ist ganz einfach: Je größer der Betrachtungsabstand ist, desto niedriger kann die DPI-Zahl sein. Was am Ende zählt, ist die optische Auflösung am eigentlichen Betrachtungspunkt und nicht der reine Zahlenwert in deinen Dokumenteneinstellungen. Der typische Fehler von Designern liegt darin, Dateien in der finalen Ausgabegröße mit 300 DPI anzulegen. Das erzeugt Dokumente, die selbst eine extrem leistungsstarke Workstation in die Knie zwingen.

Ein sehr solider Ansatz ist das Arbeiten in einem verkleinerten Maßstab. Du legst ein Dokument mit 33 Prozent der Originalgröße bei 300 DPI an und gibst es später dreifach vergrößert aus. Dadurch erhältst du gestochen scharfe Dateien, überschaubare Dokumentengrößen und einen Workflow, der nicht schon vor der Mittagspause deinen ganzen Arbeitsspeicher auffrisst. Bestätige die gewünschte Ziel-DPI trotzdem immer vorab mit deiner Druckerei, da die Ausgabegeräte und Materialien stark variieren.

Datei-Setup: Die wichtigsten Entscheidungen, noch bevor du die erste Linie ziehst

Beim Farbraum gibt es keine Wahl. Großformatdruck bedeutet fast immer CMYK, aber das spezifische Profil hängt stark vom Ausgabegerät und dem Material ab. Solvent-Drucker auf Vinyl, UV-Plattendrucker auf Acryl oder der Thermosublimationsdruck auf Stoff haben jeweils einen ganz unterschiedlichen Farbumfang. Frage deinen Druckpartner daher schon vor dem Start nach dem passenden ICC-Profil und nicht erst am Tag vor der Abgabe.

Auch die Anforderungen an den Anschnitt skalieren mit dem Format. Bei einem normalen A4-Dokument sind drei Millimeter Anschnitt typisch. Ein zwei Meter hohes Roll-up-Banner, das zugeschnitten und gesäumt wird, braucht dagegen vielleicht 10 bis 15 Millimeter. Bei Standgrafiken, die hinter Spannrahmen montiert werden, benötigst du unter Umständen sogar noch deutlich mehr. Kläre das unbedingt vor dem Setup und nicht erst danach.

Halte Text und wichtige Inhalte weit von den Schnittkanten entfernt. Die Faustregel, die bei einem A4-Dokument funktioniert, gilt nicht mehr, wenn ein Banner über einen Rahmen gespannt oder die Kante auf einer CNC-Maschine gefräst wird.

Vektor vs. Raster: Wann welches Format seine Stärken ausspielt

Logos, Icons und illustrative Elemente sollten nach Möglichkeit immer Vektoren sein. Das ist zwar keine neue Erkenntnis, aber man muss es einfach immer wieder betonen. Gerade bei Standgrafiken schleichen sich oft in letzter Minute noch Änderungen ein. Der Klassiker ist die Frage, ob man nicht mal eben das Logo einfügen kann. Wenn dieses Logo dann als PNG mit einer Breite von 200 Pixeln ankommt, hast du ein echtes Problem. Vektorgrafiken skalieren völlig ohne Qualitätsverlust, Rastergrafiken eben nicht.

Fotografische Inhalte bilden hier die Ausnahme. Bei Fotos kannst du das Rasterformat nicht vermeiden, also musst du das von Anfang an einplanen. Für ein Riesenbanner von drei mal einem Meter mit vollflächigem Fotohintergrund brauchst du ein Originalbild mit einer echten, hohen Auflösung bei der gewünschten Druck-DPI. Stockfotos in der Download-Größe „Groß“ reichen da oft nicht aus. Es lohnt sich absolut, die benötigten Pixelmaße durchzurechnen, noch bevor du Bildrechte einkaufst.

In den Layout-Werkzeugen von Affinity kannst du Bilder einbetten und die effektive Auflösung direkt im Ressourcen-Manager überprüfen. Mach es dir am besten zur Gewohnheit, diesen Check durchzuführen, bevor du die Dateien mit der Checkliste analysierst.

Messestände: Weiterdenken als nur in flachen Wänden

Bei Messeständen wird der Großformatdruck erst so richtig komplex. Du gestaltest hier oft über mehrere Panels, gebogene Oberflächen, abgewinkelte Rahmen und überlappende Grafikbereiche hinweg. Die Versuchung ist groß, alles flach zu designen und den Rest der Druckerei zu überlassen. Das ist allerdings ein riskantes Spiel bei einem Messestand, dessen Produktion schnell einen fünfstelligen Betrag kostet.

Besorge dir die Standvorgaben frühzeitig. Damit sind echte technische Daten gemeint und keine Werbeprospekte des Standherstellers. Du brauchst die exakten Panel-Maße, die Rahmenabstände, die Befestigungsmethode und die Info, ob die Panels seitlich beleuchtet werden. Das verändert nämlich die Farbwirkung an den Rändern massiv. Frage am besten nach einer physischen oder digitalen Mock-up-Vorlage.

Gestalte das Ganze immer mit Blick auf die dreidimensionale Realität. Eine Grafik, die im flachen Layout perfekt ausbalanciert wirkt, kann optisch völlig auseinanderbrechen, wenn sie um die Ecke verläuft oder auf zwei Panels mit einer physischen Naht dazwischen aufgeteilt wird. Gehe die Geometrie des Standes gedanklich genau durch oder skizziere dir die Blickwinkel, bevor du dich auf einen finalen Kompositionsansatz festlegst.

Typografie im Großformat: Wo sich die Regeln klammheimlich ändern

Schriftarten, die in einer gedruckten Broschüre wunderschön aussehen, können aus drei Metern Entfernung völlig versagen. Dünne Strichstärken, ein enger Zeichenabstand und feine optische Effekte verhalten sich im großen Maßstab und aus der Distanz komplett anders. Was bei einer Schriftgröße von 12 pt elegant wirkt, kann auf einem Banner als Überschrift vergrößert schwach oder unleserlich wirken.

Der Betrachtungsabstand und die minimale lesbare Schriftgröße hängen direkt zusammen. Eine grobe Branchenregel besagt, dass der Fließtext pro Meter geplantem Betrachtungsabstand etwa 25 Millimeter hoch sein sollte. Das variiert natürlich je nach Schriftart, Strichstärke und Kontext. Betrachte diesen Wert einfach als Ausgangspunkt für deine eigenen Tests und nicht als starre Regel. Überschriften auf einem Messestand, die von der anderen Seite des Raumes lesbar sein sollen, müssen deutlich größer sein. Die Hierarchie muss in der tatsächlichen Größe funktionieren, in der sie später gesehen wird, und nicht im Maßstab auf deinem Bildschirm.

Der Kontrast ist genauso wichtig. Banner im Außenbereich konkurrieren mit dem Umgebungslicht, mit Reflexionen und mit dem allgemeinen visuellen Trubel der Umgebung. Kontrastarme Schriftzüge, die im Studio noch elegant aussehen, werden bei direkter Sonneneinstrahlung auf das Material extrem schwer lesbar. Ein hoher Kontrast ist nicht immer nur eine Designentscheidung, oft sorgt er überhaupt erst für die nötige Lesbarkeit.

Farbmanagement: So passt die Anzeige auf dem Monitor zum fertigen Druck

Farbabweichungen auf einem Messestand gehören zu den Dingen, die Kunden sofort bemerken und die Designer in wochenlanger Arbeit zu vermeiden versuchen. Das Problem beginnt meistens mit unpassenden Profilen zwischen der Design-Anwendung und der RIP-Software oder mit verschiedenen Ausgabegeräten, die für das Drucken der einzelnen Panels genutzt werden.

Ein paar Dinge, die wirklich helfen: Nutze vom ersten Tag an das ICC-Profil deines Druckpartners, mach vor dem Finale einen Softproof in deiner Design-Anwendung und markiere alle Panels, die auf unterschiedlichen Materialien oder mit unterschiedlichen Tinten gedruckt werden sollen. Grafiken auf Stoffbahnen weisen beispielsweise oft ein anderes Farbverhalten auf als solche auf festem PVC. Was in deiner Datei wie ein einheitliches Marineblau aussieht, kann direkt nebeneinander aufgebaut wie zwei völlig verschiedene Farben wirken.

Wenn das Budget es zulässt, fordere vor dem eigentlichen Drucklauf einen Teststreifen oder Andruck auf dem echten Material an. Das ist gängige Praxis bei hochwertigen Druckproduktionen und zahlt sich fast immer aus.

Verpacken deiner Dateien für die Produktion

Wie du eine Druckdatei im Großformat weitergibst, ist genauso wichtig wie die Erstellung der Datei selbst. Das Format PDF/X-4 wird bei der Großformatproduktion flächendeckend unterstützt, da es Transparenzen und eingebettete ICC-Profile hervorragend verarbeitet. Manche RIP-Workflows bevorzugen allerdings immer noch PDF/X-1a, das Transparenzen beim Export reduziert und direkt in CMYK konvertiert. Bestätige das gewünschte Format deshalb immer vor dem Export mit deiner Druckerei.

Binde alle Schriftarten ein oder wandle sie vor dem Export in Pfade/Kurven um. Großformat-RIP-Software kann eingebettete Schriftarten problemlos verarbeiten, doch gibt es immer noch Ausnahmefälle, in denen undurchsichtige Lizenzbeschränkungen für Schriftarten zu Problemen im Arbeitsablauf führen. Durch das Umwandeln in Pfade/Kurven umgehst du dieses Problem.

Lege deinen Produktionsdaten zusätzlich ein Proof-PDF in niedriger Auflösung bei. Eine visuelle Referenz zur Kontrolle verhindert teure Missverständnisse bei Ausrichtung, Farbe und Layout mitten in der Produktion. Das ist eine kleine Ergänzung, die dir großen Ärger erspart.

Gestalten für den Stoff- und Textildruck

Stoff ist auf Premium-Messen und in vielen Verkaufsräumen mittlerweile das dominierende Material. Textilspannsysteme haben starre Panel-Systeme in vielen Bereichen abgelöst und bringen ganz eigene Anforderungen an das Design mit sich.

Stoff dehnt sich. Das bedeutet, dass sich deine Grafik unter Spannung leicht verzieht, besonders an den Ecken und Kanten. Einige Druckereien stellen Vorlagen mit einer Verzerrungskorrektur bereit, die du nach Möglichkeit nutzen solltest. Falls es keine Vorlagen gibt, halte wichtige Inhalte weit innerhalb der Sicherheitszone. Vermeide zudem geometrische Muster in der Nähe der Ränder, da Verformungen dort am schnellsten auffallen.

Farbe wirkt auf Stoff auch anders. Das Thermosublimationsdruck-Verfahren kann zwar extrem gesättigte, lebendige Ergebnisse liefern, aber dunkle Töne und sehr feine Details verhalten sich je nach Drucker und Stoffgewicht oft unvorhersehbar. Wenn du eine Produktion mit komplexen Hintergrundtexturen oder feinen Verläufen auf einer großen Stoffbahn planst, solltest du vorab unbedingt einen Testdruck anfordern.

Großformat-Proofing: Der eine Schritt, den die meisten Designer auslassen

Ein digitaler Proof ist einfach nicht dasselbe, wie deine Arbeit in der echten Druckgröße vor dir zu sehen. Bei den meisten Standard-Drucksachen fällt das kaum ins Gewicht. Beim Großformatdruck kann es jedoch einen gewaltigen Unterschied machen. Gestalterische Entscheidungen, die auf dem Bildschirm noch absolut stimmig wirkten, können aus drei Metern Entfernung plötzlich völlig unausgewogen rüberkommen.

Affinity verfügt über den Druckmodus „Gekachelt“, der direkt in das Druckdialogfeld integriert ist und genau für diesen Zweck entwickelt wurde. Stelle dein Layout auf „Gekachelt“ ein, sende es an einen Desktop-Drucker, und dein Motiv wird auf so viele A4- oder Letter-Blätter gedruckt, wie nötig. Kleb sie einfach an einer Wand zusammen, und schon hast du in 20 Minuten einen Modellentwurf in Originalgröße. Es ist zwar nicht besonders glamourös, aber wenn man das Layout in Originalgröße sieht, fallen räumliche und proportionale Probleme auf, die man beim Betrachten am Bildschirm einfach nicht bemerkt. Das hat schon so manchen Auftrag gerettet.

Großformatdruck: So klappt es direkt beim ersten Mal

Beim Großformatdruck kommt es vor allem auf die richtige Vorbereitung, die Absprache mit deiner Druckerei und den Blick für die echte Wirkung an. Du musst dafür designen, wie die Arbeit später im Raum erlebt wird, und nicht, wie sie auf dem Bildschirm aussieht. Die Grundlagen für gutes Design gelten natürlich immer noch. Komposition, Hierarchie und Kontrast spielen sich im großen Maßstab und im physischen Raum nur völlig anders ab.

Designer, die das richtig gut hinbekommen, betrachten die Druckumgebung als Teil des Auftrags. Für sie sind das keine Einschränkungen, die erst nach dem Designen dazukommen. Sie kennen ihr Material schon, noch bevor das Layout überhaupt steht. Sie machen Softproofs schon aus Gewohnheit. Und sie haben gelernt (meistens auf die harte Tour), dass es beim Großformatdruck viel mehr auf Sorgfalt als auf Schnelligkeit ankommt.

Affinity liefert dir die Grafikdesigntools, mit denen du kompromisslos produktionsreife Großformat-Druckdateien erstellst. Du bekommst saubere Vektorausgaben, ein professionelles Farbmanagement und Exportkontrollen für echte Druck-Workflows. Egal ob du in dem Studio „Vektor“, „Pixel“ oder „Layout“ arbeitest, hast du alles Wichtige an einem Ort.

Über die Autoren

James ist Designer im Affinity-Kreativteam in Nottingham (Großbritannien). Dort gestaltet er alles Mögliche, von Webinhalten über Branding-Assets bis hin zu Videos. Wenn er gerade mal nicht über Affinity schwärmt, tüftelt er an Musikprojekten oder streift als echter Outdoor-Typ durch die Natur.

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