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Vom Konzept bis zum fertigen Bild: Christi du Toits Illustrations-Workflow in Affinity

6 Min. Lesedauer Veröffentlicht
Illustration in Affinity von Christi du Toit: Collage mit surrealen Figuren und von Comics inspirierten Szenen.

Christi du Toit ist bekannt für detailreiche Illustrationen, in denen handgezeichneter Charakter auf digitale Präzision trifft. Er hat einen unverwechselbaren Stil entwickelt, geprägt von Comics, Grafikdesign und jahrelanger professioneller Illustrationsarbeit.

In diesem Interview spricht er über die Einflüsse hinter seiner Arbeit, warum das Grafikdesign-Studium seine Sichtweise auf Illustration verändert hat und wie er ein Projekt in Affinity von der ersten groben Skizze bis zur fertigen Übergabe umsetzt.

Wie Grafikdesign Christis Illustrationsprozess geformt hat

Christi wusste schon immer, dass er Illustrator werden wollte, aber der Weg dorthin war nur etwas ungewöhnlicher.

„Das Zeichnen war für mich als Kind nie wirklich ein Problem“, sagt er. „Die Herausforderung war, die kreative Theorie zu verstehen und alles Technische und Digitale dazu.“

Als er studierte, gab es noch nicht so viele spezialisierte Illustrationskurse wie heute, also schrieb er sich stattdessen für Grafikdesign ein. Eine Entscheidung, die seine Karriere und seinen Blick auf visuelle Kommunikation für immer verändern sollte.

„Ich habe es nie bereut, Grafikdesign studiert zu haben“, sagt er. „Es hat wirklich verändert, wie ich über meine Arbeit denke.“

Diese breit gefächerte Ausbildung lehrte ihn, Illustration als Teil eines größeren visuellen Systems zu betrachten: wie ein Bild auf einem Produktetikett, einem Buchumschlag oder einer Verpackung wirkt, und nicht nur als eigenständiges Bild.

Wie ein handgezeichneter Stil entsteht

Auf die Frage nach seinem visuellen Stil bringt es Christi auf den Punkt: „Digital, aber handgezeichnet. Das ist wirklich das Wesentliche.“

Während manche Illustratoren auf hochglanzpolierte Ästhetik setzen, zieht es Christi zu Arbeiten hin, die haptisch wirken und die visuellen Qualitäten traditioneller Werkzeuge haben.

„Ich habe kein Problem mit Werken, die sehr digital wirken, aber ich hatte immer Schwierigkeiten, selbst mit solchen Werken zufrieden zu sein“, verrät er. „Ich liebe die raue, tintenlastige Ästhetik von Comics, die kräftigen Farben von Cartoons und Kinderbüchern und die begrenzte Farbpalette von Bandshirts im Siebdruckstil und Konzertplakaten. Ich glaube, meine Arbeit liegt irgendwo dazwischen.“

Diese Einflüsse prägen auch heute noch seine Arbeit. Genauso verhält es sich mit der Software, die er nutzt. „Bei meiner Arbeitsweise war und ist das wichtigste digitale Werkzeug in meinem Workflow schon immer der Pinsel. Seit dem Wechsel zu Affinity probiere ich aber viel offener neue Ansätze und Werkzeuge aus, wie zum Beispiel Vektorwerkzeuge und Bildbearbeitung. Mit Affinity fühlt sich das alles viel machbarer an. Ich kann das alles erledigen, ohne jemals das Fenster zu wechseln, geschweige denn die Anwendung.“

Christis Workflow bei der digitalen Illustration

Jeder Auftrag ist anders, aber die Grundstruktur von Christis Arbeitsweise bleibt immer gleich. So entsteht eine typische Illustration, von der ersten Skizze bis zur endgültigen Dateiübergabe.

Phase 1: Konzeptentwicklung und Planung

Christi erklärt: „Jede Illustration beginnt mit Erkunden und Problemlösen.“

Zunächst fertigt er ein paar grobe Skizzen an, um erste Konzepte vorzustellen, die gut zum Auftrag passen könnten. Meistens fangen sie als lose Kritzeleien in einem Skizzenbuch an, werden dann digital überarbeitet und zusammen mit einer kurzen Begründung präsentiert, die die kreativen Entscheidungen hinter jedem Entwurf erklärt.

So kann er Ideen frei erkunden, ohne sich zu früh festzulegen oder Zeit in Konzepte zu stecken, die vielleicht nie weiterverfolgt werden.

Er hält dies für die wichtigste Phase des Prozesses, da jede nachfolgende Entscheidung davon abhängt, wie klar das Kernkonzept vermittelt wird.

Phase 2: Die digitale Skizze verfeinern

Sobald die Richtung feststeht, verfeinert Christi die digitale Skizze. Er arbeitet in Affinity mit einem Grafiktablett und einem digitalen Pinsel, der Textur und Strichstärke eines herkömmlichen Bleistifts nachahmt.

Schon jetzt kombiniert er verschiedene Werkzeuge, um eine solide Grundlage für das fertige Werk zu schaffen. „Ich entwerfe meine Kompositionen oft mithilfe von Vektorhilfslinien und wechsle dann zum Rasterpinsel, um die eigentliche Zeichnung zu erstellen“, erklärt er.

Er arbeitet seine Skizzen so weit aus, dass die meisten kreativen Entscheidungen bereits getroffen sind, bevor die eigentliche Umsetzung beginnt. Ein Workflow, der die Gewohnheiten zeigt, die er sich beim Grafikdesign angeeignet hat: Probleme frühzeitig lösen, dann auf die Umsetzung konzentrieren.

Phase 3: Tuschen und Linienarbeit in Affinity

Sind alle Planungen und Skizzen abgeschlossen, beginnt die Linienarbeit, auch „Tuschen“ genannt. Da er hauptsächlich mit Rasterformaten arbeitet, erstellt er seine Grafiken etwa 1,5- bis 2-mal so groß wie das endgültige Druckformat, um Details zu bewahren und auch bei der Verkleinerung saubere Kanten zu erhalten.

Obwohl er texturierte und malerische Pinsel liebt, braucht es für Aufgaben wie den Siebdruck etwas Klareres und Präziseres. Da die Möglichkeiten der Tusche begrenzt sind, setzt er auf Schraffuren und Liniendetails, um Bewegung und Tiefe zu erzeugen, die sonst die Farbe übernehmen würde.

Auch kleine Workflow-Optimierungen spielen in dieser Phase eine Rolle. „Ich habe mir eigene Tastenkombinationen eingerichtet, um meine Zeichenfläche schrittweise zu drehen. Das hilft mir sehr dabei, feine Details wie Schraffuren präziser zu zeichnen“, sagt Christi.

Phase 4: Farbe und Tonwerte ausarbeiten

Normalerweise behandelt er Farbe und Helligkeit als zwei getrennte Schritte, doch wenn er mit einer begrenzten, für den Siebdruck geeigneten Farbpalette arbeitet, sind beide eng miteinander verbunden. Eine einzelne Farbe muss oft mehrere Aufgaben erfüllen und dient sowohl als Grundfarbe als auch dazu, Tiefe oder Schattierungen zu erzeugen.

Um große, flache Farbflächen auszufüllen, nutzt Christi das Freihandauswahl-Werkzeug von Affinity, anstatt mit dem Pinsel zu malen. Er findet, dass es schneller und präziser ist und dabei hilft, die Kanten scharf und die Farbtrennungen sauber zu halten, ideal für die Druckproduktion.

Eine seiner Empfehlungen: Antialiasing deaktivieren, wenn du die Grundfarben aufträgst. „Wenn ich die Grundfarbe hinzufüge, deaktiviere ich bei meinen Auswahlwerkzeugen Antialiasing, damit ich Farbflächen ohne Lücken oder gezackte Kanten ausfüllen kann“, erklärt er.

Auch beim Siebdruck kommt es auf eine sorgfältige Ebenenorganisation an. Christi verwendet eine Ebene pro Druckfarbe und ordnet diese von hell nach dunkel an, was der Druckreihenfolge entspricht und die Dateien für Druckereien oder Mitarbeitende einfacher handhabbar macht.

Je komplexer ein Kunstwerk wird, desto wichtiger wird es, den Überblick zu behalten. „Ich finde es toll, dass ich mit der Tabulatortaste schnell durch meinen Ebenenstapel blättern, Ebenen umbenennen und so verhindern kann, dass meine Dateien im Laufe eines Projekts chaotisch werden“, sagt er.

Phase 5: Dateien für Druck und Übergabe vorbereiten

Sobald das Design fertig ist, präsentiert er es den Kunden zusammen mit Mockups und den wichtigsten Etappen des Entstehungsprozesses, um die kreativen Entscheidungen nachvollziehbar zu machen. Nach der Freigabe bereitet er das Dateipaket vor und exportiert es: reduzierte Dateien für den digitalen Gebrauch, korrekt strukturierte Ebenendateien für den Druck sowie alle weiteren im Briefing angegebenen Formate.

Tipps für Illustratoren, die zu Affinity wechseln

Nachdem er seinen Workflow jahrelang auf Affinity ausgerichtet hat, weiß Christi genau, was neuen Nutzern hilft, das Programm optimal einzusetzen.

„Affinity ist eine Klasse für sich. Klar, es kann andere Programme bei ähnlichen Aufgaben ersetzen, aber ich finde, es bietet noch viel mehr. Dank der Kombination aus Vektor-, Pixel- und Layout-Werkzeugen sowie der umfangreichen Anpassungsmöglichkeiten hast du in einer einzigen App alles zur Hand, was du brauchst, egal welche Art von Arbeit du gerade machst.“

Für Christi fängt alles damit an, die Software auf die eigene Arbeitsweise einzustellen.

Seine erste Empfehlung: Richte dir die Oberfläche nach deinen Wünschen ein, bevor du irgendetwas anderes tust. „Nimm dir die Zeit, dein ideales Setup aufzubauen, vor allem mit Tastenkombinationen, die du schon kennst. So fühlt sich alles ganz schnell vertraut an.“ Mit Affinity kannst du ein individuelles Studio erstellen, in dem die Werkzeuge genau so angeordnet sind, wie du willst. Wenn du das frühzeitig richtig machst, kannst du dich ganz auf die Arbeit konzentrieren.

Sein zweiter Ratschlag: Dranbleiben ist wichtiger als Ausprobieren. „Bearbeite ein echtes Projekt von Anfang bis Ende in Affinity. Betrachte anfängliche Schwierigkeiten einfach als Teil des Lernprozesses.“

Wer nur einzelne Funktionen ausprobiert, sieht selten, wozu die Software wirklich in der Lage ist. Die echten Workflow-Vorteile zeigen sich erst, wenn du ein Projekt bis zum Ende durchziehst. Für Christi war das der Moment, in dem alles Sinn ergab. „Als das erste Projekt zu Ende ging, wusste ich, dass es mein wichtigstes Werkzeug werden würde.“


Entdecke mehr von Christis Arbeit

Vom ersten Entwurf bis zur fertigen Umsetzung folgt Christis Arbeitsweise immer dem gleichen Prinzip: Erst die Idee ausarbeiten, dann gut umsetzen. Dieser Ansatz hat ihm geholfen, einen unverwechselbaren visuellen Stil zu entwickeln und dabei bei den verschiedensten kommerziellen Projekten flexibel zu bleiben.

Wenn du mehr von Christis Arbeiten entdecken und mehr über seinen kreativen Ansatz erfahren möchtest, schau dir sein Profil auf Spotlight an. Du kannst dir auch eine Auswahl an eigens erstellten Illustrationspinseln und Assets herunterladen, die von seinem Workflow inspiriert sind, und sie in deinen eigenen Projekten verwenden.

Über die Autoren

Matt ist nicht nur Creative Producer bei Affinity, sondern verantwortet als A/V Lead auch alle Audio- und Videoproduktionen. Seit Anfang der 2000er Jahre spielt er Schlagzeug und ist oft tief in Ableton Live versunken, wo er unermüdlich an einem nie endenden Strom halbfertiger Demos bastelt. In seiner Freizeit arbeitet Matt als freiberuflicher Illustrator. Einen Einblick in seine Arbeit gibt er auf Instagram: @mattsearston.

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