Porträtfotografie mit Lorenzo Morandi: Menschen fotografieren, keine Posen
Der Porträtfotograf, Filmemacher und Autor Lorenzo Morandi ist überzeugt, dass die stärksten Porträts lange vor dem Drücken des Auslösers entstehen. Mit seinem redaktionellen Projekt YourStory hat er das letzte Jahrzehnt genutzt, tiefgehende Beziehungen zu Kreativen, Künstlern und Denkern aufzubauen. Dabei nutzt er die Fotografie, um die Verbindung zwischen der Persönlichkeit dieser Menschen und ihren Werken zu ergründen.
In diesem Interview erzählt er, wie die Porträtfotografie seine Karriere verändert hat und welche Philosophie hinter YourStory steckt. Außerdem erklärt er, wie Affinity ihn in jeder Phase seiner Fotografie, Buchgestaltung und Filmproduktion unterstützt, sodass er sich voll und ganz auf die Menschen vor seiner Kamera konzentrieren kann.
Lorenzo, erzähl uns doch ein bisschen über dich und deinen kreativen Hintergrund.
Ich lebe mit meiner Familie auf dem Land in der Nähe von Alessandria in Italien, in einem Haus, das gleichzeitig unser Zuhause und ein kreativer Raum für die Fotografie ist. Ich habe Bauingenieurwesen und Architektur studiert und mich wie viele Studenten der Fotografie zuerst über die Architektur genähert, um Designprojekte zu studieren und zu erforschen.
Was hat damals den Funken gezündet und dich dazu gebracht, Fotograf zu werden?
Nach einigen Jahren als Designer und Projektmanager bin ich 2016 zur professionellen Fotografie gewechselt. Der echte Wendepunkt kam, als ich die Porträtfotografie für mich entdeckt habe. Zum ersten Mal habe ich mich so richtig intensiv mit der Beziehung zwischen Mensch und Raum beschäftigt und es wie ein völlig neues kreatives Universum erlebt.
Kurz darauf habe ich auch mit Videos angefangen und dabei denselben direkten, subjektorientierten Ansatz gewählt, der auch meine Porträtfotografie prägt.
Wie ist YourStory eigentlich entstanden und wie hat es sich entwickelt?
Die Idee zu YourStory entstand 2016 bei einem Gespräch mit meiner Frau Sara, die ebenfalls als Fotografin arbeitet. Ich hatte damals angefangen, Menschen in Bildserien festzuhalten, die sich schon wie kleine Geschichten anfühlten, und dachte mir: Warum machen wir daraus nicht ein ganz eigenes Projekt?
Damals habe ich mich selbst noch gar nicht als Fotografen gesehen, deshalb habe ich mich entschieden, die Arbeit unter dem Namen YourStory zu veröffentlichen. Im Laufe der Jahre ist daraus ein echtes Redaktionsprojekt geworden, das das Leben und die Arbeit von Kreativen, Designern, Künstlern und Denkern dokumentiert, deren persönliche Geschichten untrennbar mit ihren Werken verbunden sind.
Was mir am meisten bedeutet, ist der echte Wunsch, durch die Fotografie mit Menschen in Kontakt zu kommen. Es ist ein Projekt, das ich völlig kompromisslos verfolgen kann und das mir absolute kreative Freiheit lässt. Zugleich bringt es mich mit außergewöhnlichen Menschen zusammen und eröffnet mir neue Wege zur Zusammenarbeit. Gleichzeitig ist es ein Weg geworden, die typischen Hürden vieler Kreativprofis zu ergründen: Zweifel, die Angst vor dem Risiko, die Suche nach der eigenen Identität und die Grenzen, die wir uns durch den eigenen Stil oft selbst setzen. Das sind alles Dinge, die ich aus meiner eigenen Arbeit nur zu gut kenne.
Dieses Jahr feiert das Projekt sein zehntes Jubiläum mit der Veröffentlichung von YourStory: Dreamers and Makers im Verlag Lebled Soloviev Editions. Das weltweit erhältliche Buch bringt die außergewöhnlichen Menschen zusammen, die ich in ganz Europa fotografiert habe. Es ist ein wichtiger Meilenstein auf meiner kreativen Reise.
„Gespräche und echte Neugier helfen dabei, Vertrauen aufzubauen, und genau in diesen Momenten entstehen oft die stärksten Porträts.“
Wie gehst du an ein typisches Porträt-Shooting heran?
Die meisten meiner Shootings finden direkt in der Arbeitsumgebung der Menschen statt. Dabei nutze ich wann immer möglich das natürliche Licht und setze künstliche Beleuchtung nur dann ein, wenn es wirklich nötig ist. Jeder Ort ist anders, deshalb nehme ich mir die Zeit zum Experimentieren, bis ich das Setup gefunden habe, das sich am authentischsten anfühlt.
Auch im Studio folge ich keinen vorgefertigten Lichtformeln. Jedes Gesicht braucht sein ganz eigenes Licht, und ich reagiere lieber intuitiv auf die Person vor mir, anstatt ein universelles Schema überzustülpen.
Wenn ich jemanden fotografiere, suche ich nie nach bestimmten Posen. Mich interessieren die spontanen Ausdrücke, die wie in einem angehaltenen Moment eingefangen wirken. Manchmal bedeutet das direkten Blickkontakt, ein anderes Mal geht der Blick weg von der Kamera. Egal wie der Ansatz aussieht, am Ende ist es das Licht, das dem Porträt seinen Charakter verleiht.
Genauso wichtig wie die technische Seite ist es, eine Atmosphäre zu schaffen, in der sich die Menschen wohlfühlen. Gespräche und echte Neugier helfen dabei, Vertrauen aufzubauen, und genau in diesen Momenten entstehen oft die stärksten Porträts.
„Eine einzige, schlanke Anwendung zu haben, mit der ich nahtlos zwischen Bildbearbeitung und Layoutdesign wechseln kann, ist ein riesiger Vorteil.“
Was hat dich damals zu Affinity gebracht und wie unterstützt es dich bei deiner kreativen Arbeit?
Ich bin ein großer Fan von digitalem Minimalismus und effizienten Workflows. Ich schätze gut gestaltete, leistungsstarke Software, die genau das bietet, was ich brauche. Als ich Affinity entdeckt habe, fiel mir die Philosophie sofort als echte Innovation in einem Bereich auf, der lange Zeit von Adobe dominiert wurde. Eine einzige, schlanke Anwendung zu haben, mit der ich nahtlos zwischen Bildbearbeitung und Layoutdesign wechseln kann, ist ein riesiger Vorteil.
Ich nutze Capture One, um große RAW-Projekte und das Tethered Shooting zu verwalten, und wechsle dann für den restlichen Workflow zu Affinity. Für Porträts sind vor allem die Werkzeuge unverzichtbar, die subtile und kontrollierte Anpassungen ermöglichen: Frequenzen trennen sowie Tonwert- und Farbanpassung. Weiter nutze ich präzise Korrekturwerkzeuge wie das Werkzeug „Flecken entfernen“, den Kopierstempel und gelegentlich Liquify Studio für feine Korrekturen, wenn sie nötig sind. Sie helfen mir, das Bild zu verfeinern, ohne es zu überladen.
Affinity ist genauso wertvoll, wenn es um das Vorbereiten und Präsentieren meiner Arbeit geht. Ich kann Vorlagen erstellen, um die Wirkung von Bildern untereinander zu prüfen, PDF-Vorschauen für Kunden erstellen, Layouts für Instagram vorbereiten und Konzepte für Fotobücher entwickeln, bevor ich sie mit Verlagen teile. Affinity vereint alle Phasen des Prozesses an einem Ort.
Wie arbeiten Capture One und Affinity in deinem Workflow zusammen?
Affinity wird sofort nach der RAW-Erfassungsphase zum Mittelpunkt. Sobald ich die ersten Anpassungen in Capture One vorgenommen habe, wechsle ich zu Affinity, um den gesamten restlichen Postproduction-Prozess zu steuern.
Capture One unterstützt jetzt .af-Dateien, was den Workflow noch nahtloser macht. Ich kann Bilder für fortgeschrittene Bearbeitungen von Capture One zu Affinity senden und die fertigen Dateien dann für die Katalogisierung, die Übergabe oder den Batch-Export zurück nach Capture One bringen. Das sorgt für einen viel flüssigeren und flexibleren Ablauf zwischen den beiden Anwendungen.
Wie findest du die richtige Balance zwischen technischer Retusche und der Persönlichkeit des Menschen, den du fotografierst?
Ich liebe die Postproduktion und stecke oft viele Stunden Arbeit hinein. Statt jemanden „perfekt“ aussehen zu lassen, konzentriere ich mich darauf, Töne, Kontraste und Farben zu verfeinern. So entsteht ein ehrliches Bild, das die Individualität der Person bewahrt.
Die Balance zwischen Technik und Authentizität ist entscheidend. Ich will die Person vor der Kamera niemals verändern oder ihren Charakter auslöschen. Retusche bedeutet für mich, das Gegenüber zu respektieren und die Ausdruckskraft von Licht, Tönen sowie Atmosphäre zu betonen. Gleichzeitig will ich genau das bewahren, was das Porträt echt und lebendig macht.
Wie fügt sich Affinity neben Final Cut Pro in deinen Workflow für Filme ein?
Ich komme ja aus dem Grafikdesign, deshalb macht es mir großen Spaß, alle visuellen Elemente für meine Produktionen selbst zu erstellen. Die Vektor- und Layoutwerkzeuge von Affinity machen es mir leicht, präzise mit Rastern, Rändern und Typografie zu arbeiten, während ich Titel, Untertitel, Infografiken, den Abspann und andere Grafiken für den Bildschirm gestalte.
Ich exportiere diese Elemente als PNG-Dateien mit transparentem Hintergrund und platziere sie direkt in Final Cut Pro. Wenn etwas aktualisiert werden muss, nehme ich die Änderungen einfach in Affinity vor, exportiere die Dateien neu und sie ersetzen automatisch die vorherigen Versionen in der Timeline, während ihre Dauer und Effekte erhalten bleiben.
Es ist ein unkomplizierter Workflow, der mir aber die präzise Kontrolle über jedes grafische Element gibt. Ich kann auch alles als eine einzige PDF-Datei zur Überprüfung exportieren, was es leicht macht, Konzepte schon vor der Produktion mit Kunden und Partnern zu teilen.
„Reduziere die Anzahl der Tools, auf die du dich verlässt, bis die Software fast ganz in den Hintergrund tritt, sodass du dich ganz auf die Arbeit selbst konzentrieren kannst. Dann fließt die Kreativität am natürlichsten.“
Du hast im Laufe der Jahre mit vielen verschiedenen kreativen Tools gearbeitet. Was schätzt du heute an kreativer Software am meisten?
Ich schätze Einfachheit, Performance und Unmittelbarkeit, also die Fähigkeit, ohne Reibungsverluste loszulegen, selbst wenn die Zeit knapp oder das Studio weit weg ist. In solchen Momenten zählt jede Sekunde und ein Tool, das den kreativen Prozess leise unterstützt, anstatt Aufmerksamkeit einzufordern, wird unverzichtbar.
Affinity bringt Fotografie, Design und Publishing in einer einzigen kreativen Umgebung zusammen, sodass Ideen frei von einer Phase in die nächste fließen können. Egal ob ich eine Kundenpräsentation vorbereite, ein Buchkonzept entwickle oder Grafiken für einen Film erstelle: Ich kann mich voll auf die Arbeit konzentrieren, anstatt über die Software nachzudenken.
Welchen Rat würdest du Fotografen und Filmemachern geben, die ihren kreativen Prozess nachhaltiger gestalten möchten?
Hab keine Angst davor, Dinge zu vereinfachen. Reduziere die Anzahl der Tools, auf die du dich verlässt, bis die Software fast ganz in den Hintergrund tritt, sodass du dich ganz auf die Arbeit selbst konzentrieren kannst. Dann fließt die Kreativität am natürlichsten.
Mit Affinity wird dieser Ansatz viel einfacher, da du Bildbearbeitung, Design und Publishing an einem einzigen Ort kombinierst. Für Fotografen und Filmemacher bedeutet das die Flexibilität, einen effizienten kreativen Prozess ohne unnötige Barrieren aufzubauen. So können die Ideen von der Aufnahme bis zur fertigen Präsentation frei fließen.
Wenn du mehr von Lorenzos Fotos sehen möchtest, schau doch mal auf seiner Website vorbei: lorenzomorandi.com, und folge ihm auf Instagram: @lorenzomorandi.it.
Mehr zu den Geschichten hinter seinen Porträts erfährst du in seinem Editorial-Projekt YourStory (Instagram: @yourstory.it).
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